Die blaue Stunde

Die blaue Stunde finde ich als Aufnahmesituation so schön, dass sie diesem Blog den Namen gegeben hat. Aufnahmen zur blauen Stunde entstehen zwar in einem festen zeitlichen Rahmen, dennoch ist eine gewisse Sorgfalt von Nöten, mit der auch eine gewisse Ruhe einher geht. Insbesondere, wenn ich als Ausgleich am Ende eines stressigen Tages zum Fotografieren losziehe, mag ich diese Ruhe sehr gern.

Die Blaue Stunde kann aber nicht nur durch Entschleunigung zur Entspannung des Fotografen beitragen. Reinhard Eisele nannte in einem Vortrag die Blaue Stunde einmal „die Rettungsstunde des Reisefotografen“ – selbst wenn der Himmel am Tage verhangen und grau war oder die Lichtverhältnisse völlig daneben, so muss man doch nicht unbedingt ohne gelungene Aufnahme wieder nach hause kommen. Einfach mal tagsüber, während man sich über das Wetter und/oder das Licht ärgert, darauf achten, welche Plätze sich anbieten würden um am Abend das Stativ aufzubauen und auf das richtige Licht zu warten.

Abwarten können, geduldig sein – zwei wesentliche Anforderungen an den Fotografen für eine gelungene Aufnahme. Das richtige Licht fällt einem in der Blauen Stunde nicht einfach so durch die Linse, sondern es entwickelt sich. Mit bloßem Auge braucht es schon ein wenig Übung, um die Bildwirkung abzuschätzen ohne auf den Auslöser zu drücken. Auf Nummer sicher geht man, in dem man immer mal wieder ein Foto macht – so lässt sich die Wirkung der blauen Stunde optimal auf dem Monitor kontrollieren.

Anhand der Bildserie die so entsteht, erkennt man auch noch etwas anders ganz deutlich: Vorbei ist vorbei. Es ist klug, die Zeit bis zum richtigen Licht einfach nur mit Warten zu verbringen. Wer meint, er müsste telefonieren, sollte auf jeden Fall einen Gesprächspartner wählen, den er „einfach so abwürgen“ kann, wenn das Licht stimmt. Wer noch fünf Minuten braucht, um sich von der Liebsten am Telefon zu verabschieden, kann unter Umständen auch gleich wieder einpacken. Denn: Vorbei ist vorbei.

Es ist also hilfreich, konzentriert und planvoll zu handeln und sich vorher ausreichend Gedanken über Zeit und Ort zu machen. Aufnahmen zur Blauen Stunde sind in der Regel alles andere als Zufallsprodukte.

Wann ist denn nun Blaue Stunde?

Die blaue Stunde lässt sich auf verschiedene Arten beschreiben:

Zeitlich
Die blaue Stunde beginnt nach dem Untergang der Sonne. Der Abendhimmel wird dann noch von der am Horizont untergegangenen Sonne erhellt, das direkte Sonnenlicht fehlt aber bereits. Und auch wenn die blaue Stunde das Wort „Stunde“ im Namen trägt, so dauert sie in Mitteleuropa keine 60 Minuten.

Physikalisch
Die Farbtemperatur beschreibt die geänderten Beleuchtungsverhältnisse. Während die Sonne eine Farbtemperatur von ca. 5500 K hat, beträgt die des blauen Himmels zwischen 9000 K und 12000 K. Am Tage mischen sich diese beiden Lichtquellen zum typischen Tageslicht mit einer Farbtemperatur von 6500 K. In der blauen Stunde entfällt das direkte Sonnenlicht, übrig bleibt das Himmelsblau (aus Wikipedia)

Geht’s ein bisschen genauer?

Fotografisch entstehen Aufnahmen, die eine besondere, fast unwirkliche, Farbgebung aufweisen. Da das Zeitfenster sich von Tag zu Tag ein klein Wenig ändert, gibt es verschiedene Hilfsmittel, um die blaue Stunde zu errechnen. Es gibt zum Beispiel Tabellen, Online-Rechner und Applikationen für Smartphones.

Mehr aus der blauen Stunde in den folgenden Artikeln: