Blaue Stunde – war da was?

Die ursprüngliche Idee für dieses Blog war mal, Content rund um mein Hobby Fotografie und vielleicht ein paar andere Kleinigkeiten zu posten. Konnte ja keiner ahnen, dass sich das hier zum Bastelladen entwickelt ;-)

Falls sich jemand über die Suche nach Fotothemen mit dem Suchbegriff „Blaue Stunde“ hier her verirrt hat, möchte ich kurz drei Hinweise geben:

  1. Sorry für den irreführenden Blog-Titel hier, aber Domain ist nun mal Domain.
  2. Für Fotocontent musst hier verdammt weit zurückgespult werden.Logo gwegner.de
  3. Gunter Wegner hat gestern – am 8.2.16 – auf seinem Blog gwegner.de einen tollen Artikel zur Blaue Stunde veröffentlicht, der das Thema sehr umfassend betrachtet. Dies ist ein ausdrücklicher Lesetipp!

 

Startrails, die Serienbildfunktion und die Tücken der Intervallaufnahme

Startrails wollte ich auch immer schon mal fotografieren. Tolle Bilder und Umsetzungen hatte ich ausreichend gesehen, und als ich dann noch ein einer mittelmäßig recherchierten Fotozeitung mit Nikon Bezug einen Artikel zum Thema gelesen hatte, war klar: Das wird jetzt ausprobiert.

Zu lesen stand in besagtem Magazin:

Um auszulösen, können Sie die Intervallaufnahme-Funktion Ihrer Nikon verwenden. Oder sie schalten die Kamera auf Serienaufnahme und schließen einen Fernauslöser an, der über einen Feststell-Modus verfügt.

Gesagt, getan. Kamera aufs Stativ, ein paar Einstellungen vorgenommen, Belichtungszeit auf 30 Sekunden eingestellt, Intervallaufnahme auf 1 Sekunde eingestellt, 999 Belichtungen und Feuer frei.

Als ich später am Abend zur Kamera zurück kam, tat sich da nichts mehr. Akku noch ausreichend gefüllt, Speicherkarte nicht annähernd voll und auch sonst alles unverdächtig. Aus nicht näher erkennbaren Gründen hatte die Kamera den Dienst eingestellt. Die Erklärung für dieses Verhalten (Nein, es war nichts kaputt oder abgestürzt) folgt ein paar Absätze später. Also alles auf Anfang und die Intervallserie neu gestartet.

Bei der nächsten Kontrolle: Wieder alles vorbei. Sollte meine Kamera eine Macke haben? Also noch einmal anwerfen. Resultat sind jedenfalls unschöne Lücken im Trail (immer bis zum Entdecken des Ausfalls).

Startrail mit Lücken

Naja. Erinnern wir uns an die oben genannte mittelmäßig recherchierte Fotozeitung, wie lautete doch das Zitat?

Oder […] schließen einen Fernauslöser an, der über einen Feststell-Modus verfügt.

Gesagt, getan. Fernauslöser dran, Kamera auf langsame Serienbildfunktion (CL) und los geht es wieder. Jetzt muss es ja funktionieren, denn nun hängt es ja nicht mehr von Software ab :-). Später am Abend: Wieder alles ruhig. Fu&$*! Was denn nun noch?

Analyse: Diesmal hat die D7000 genau 100 Bilder aufgenommen. Im Vergleich zu den 33 mit der Invervallaufnahme schon eine deutliche Steigerung, aber irgendwie trotzdem unbefriedigend. Genau 100. Verdächtig glatte Zahl. Also mal Google angeworfen und relativ schnell verschiedene Artikel über die Individualfunktion „d7 Max. Bildanzahl pro Serie“ gefunden. Dort ist der Wert „100“ voreingestellt und damit ist der Grund für den Abbruch der Serie auch schon gefunden. Einziges Problem: Mehr als 100 kann man dort nicht einstellen! Orrrr.

Dem Autor des Startrails-Artikels aus der oben genannten mittelmäßig recherchierten Fotozeitung („nimmst du Kabelauslöser“) und den Autoren der Web-Artikel über die Individualfunktion d7 („Tipp: Ignorieren; der praktische Nutzen ist dieser Einstellung ist […] unklar. […] einfach den Finger vom Auslöser nehmen, um eine Serienaufnahme zu beenden […].“) möchte ich zurufen: „Vielen Dank für die fundierten Erklärungen! Haben mich nur wenige Stunden gekostet. (Und ein paar Wochen Wartezeit auf den nächsten geeigneten Abendhimmel.)“

Also zurück zur Intervallaufnahme – kann ja nicht sein, dass die kaputt ist. Nun gut, ist sie auch nicht. Anleitung lesen hätte gegebenenfalls geholfen. Was habe ich also falsch gemacht?

Ich habe nicht mit Multitasking in der Kamera gerechnet!

Wenn ich eine Sekunde Intervall einstelle, bedeutet das nicht eine Sekunde Abstand zwischen zwei Bildern, sondern eine Sekunde Abstand zwischen zwei Auslösungen. Allerdings werden nicht nur erfolgte Auslösungen gezählt, sondern auch theoretische. Für eine Aufnahme mit 30 Sekunden Belichtungszeit ist meine D7000 33 Sekunden beschäftigt, bis sie bereit für die nächste Auslösung ist. Die Intervallauslösefunktion interessiert es aber nicht, dass die Kamera anderweitig beschäftigt ist und sie zählt auch die Auslösungen, die nicht stattgefunden haben, weil der Verschluss eh noch offen ist, munter mit. Nach der ersten Aufnahme sind von meinen 999 voreingestellten Intervallaufnahmen nur noch 966 übrig. Wenn man das weiterführt, kommt man so auf die 33/34 Aufnahmen, nach denen bisher meine Serien zuende waren.

Das Intervall „eine Sekunde“ liefert durch Ablesen der verbliebenen Auslösungen nach dem ersten Schuss eine gute Auskunft darüber, wieviel Wartezeit man für die Intervallfunktion tatsächlich einplanen muss, um (nahezu) nahtlos Bilder zu machen. Denn auch mit 30 Sekunden Intervall für 30 Sekunden Belichtungszeit handelt man sich mitunter unschöne Pausen mit jeweils 27 Sekunden Dauer ein und die Serie wird nur halb so lang wie voreingestellt.

Mit in meinem Fall (Bildkontrolle aus, Bildbearbeitung und Rauschreduzierung inCam ebenfalls aus) 33 Sekunden klappt es dann auch mit längeren Serien:

Startrail 2014-02-24

Der Legographer auf Weltreise

Durch einen Artikel auf PetaPixel bin ich auf die Seite von Andrew Whyte gestoßen. Neben sehr sehenswerten Langzeitbelichtungen aller Art findet sich dort eine Serie eines kleinen Fotografen den er (der ihn?) auf seinen Touren begleitet.

Andrew Whyte - long exposure photography: Legography &emdash; An eye for London Andrew Whyte - long exposure photography: Legography &emdash; Party time
Andrew Whyte - long exposure photography: Legography &emdash; Caught in the moment

Alle Fotos in diesem Beitrag / All photos in this posting © 2013 Andrew Whyte – all rights reserved

Hallo Kamera, hier Pi!

Nach dem erfolgreichen Versionscheck am Ende des letzten Artikels wird nun die Kamera via USB angeschlossen. Dann soll gphoto mal zeigen, ob es die neue Hardware am Pi erkennt.

gphoto2 --auto-detect

gphoto2 --auto-detectSiehe da, die Nikon meldet sich gleich auf Anhieb :-) Was nun? Ach so klar, ein Bild! Also flugs

gphoto2 --capture-image

gphoto2 --capture-image failHuch?!? Bisher lief alles so glatt und jetzt das? Da muss wohl mal Google bemüht werden. Resultat: Beim Anschließen wird die Speicherkarte in der Kamera von einem vorwitzigen Dienst als Datenträger erkannt. Den kann man entweder jedesmal deaktivieren „sudo killall gvfs-gphoto2-volume-monitor“ oder wie folgt dauerhaft mundtot machen:

volume monitor stoppennach einem Neustart mit „sudo reboot“ startet der nächste Versuch mit „gphoto2 –capture-image“:

gphoto2 --capture-imageUnd nun ist das erste Bild geschossen. Allerdings mit den aktuelle Kameraeinstellungen und das ist ja nicht unbedingt das Ziel. Mit

gphoto2 --get-config /...parameter.../...

lassen sich Einstellungen auslesen, mit

gphoto2 --set-config /...parameter.../...=[Wert]

können sie geschrieben werden. Beim Auslesen gibt es freundlicherweise noch ein paar Hinweise an die Hand, was die einzelnen Werte repräsentieren. Denn ISO100 setzt man nicht mit „set…=100“. Wäre ja auch zu leicht. Auslesen am Beispiel ISO:

gphoto2 get ISOSetzen eines neuen ISO Wertes mit:

gphoto2 set ISOSo weit, so gut. Leider sind die möglichen Parameter von Hersteller zu Hersteller und von Kamera zu Kamera unterschiedlich. Zum Glück kann man aber die Kamera fragen, auf was sie so hört:

gphoto2 --list-config

Heraus kommt eine lange Liste, die ich vorsorglich in einen eigenen Artikel ausgelagert habe. Bis zum nächsten Post schaue ich die mal durch und suche mir die wesentlichen Werte heraus ;-)

gphoto Settings für die Nikon D7000

Ausgelesen mit

gphoto2 --list-config

zeigen sich die Eigenschaften der angeschlossenen Kamera, die mit gphoto gelesen bzw. geschrieben werden können. Es folgt – der Vollständigkeit halber – eine längere Liste :)

Die wesenlichen Attribute werden an anderer Stelle in ihre Einzelteile zerlegt.
Weiterlesen

Installation von gphoto auf dem Pi

Nach dem der Start mit dem Raspberry Pi erfreulich glatt verlief, habe ich mir das nächste Teilprojekt vorgeknöpft: gphoto installieren, um meiner Kamera „hallo“ zu sagen. Leider ist es hier schon vorbei mit dem einfachen „apt-get install“, gphoto lädt man schön von Hand und muss dann noch ein wenig nacharbeiten. Zunächst werden aber einige grundlegede Dinge installiert:

sudo apt-get install -y libltdl-dev
sudo apt-get install -y libusb-dev
sudo apt-get install -y libexif-dev
sudo apt-get install -y libpopt-dev

Als ordnungsliebender Mensch :) habe ich dann für die anstehenden Downloads ein temporäres Verzeichnis angelegt:

mkdir gptemp
cd gptemp

Und dann gehts auch schon los. Zunächst mal die aktuelle Version der LibUBSx laden, bauen und installieren. Aktuell (10.02.2014) ist V1.0.11 und die gibts hier.

wget http://ftp.de.debian.org/debian/pool/main/libu/libusbx/libusbx_1.0.11.orig.tar.bz2
tar xjvf libusbx_1.0.11.orig.tar.bz2
cd libusbx-1.0.11/
./configure
make
sudo make install
cd ..

Als nächstes wird die aktuelle Version der libgphoto geladen, gebaut und installiert (das dauert und wirft eine Menge Warnungen). Aktuell (10.02.2014) ist V2.5.3.1.

wget http://downloads.sourceforge.net/project/gphoto/libgphoto/2.5.3/libgphoto2-2.5.3.tar.bz2
tar xjvf libgphoto2-2.5.3.tar.bz2
cd libgphoto2-2.5.3
./configure
make
sudo make install
cd ..

Ist das erledigt, kommt zum Schluss die aktuelle Version von gPhoto an die Reihe. Aktuell (10.02.2014) ist V2.5.3.

wget http://downloads.sourceforge.net/project/gphoto/gphoto/2.5.3/gphoto2-2.5.3.tar.gz
tar xjvf gphoto2-2.5.3.tar.gz
cd gphoto2-2.5.3
./configure
make
sudo make install
cd ..

Dann noch die Libs verlinken

sudo ldconfig

Und schon darf ausprobiert werden:

gphoto2 --version

gphoto2 --versionNach dem Spaß das Aufräumen nicht vergessen:

cd ..
rm -r gptemp

Oder mit der Brechstange bei schreibgeschützten Inhalten (Vorsicht!)

rm -rf gptemp

Und fertig :-)

Neues Jahr, neuer Computer

Endlich gibt’s mal wieder einen neuen Rechner für den Maschinenpark. Er ist nur irgendwie etwas kleiner ausgefallen, als alle bisherigen Modelle. Kurz um: ich habe mir einen Raspberry Pi gekauft. Im Jahr 2007 habe ich schon einmal mit einem Einplatinencomputer experimentiert, der damals die Steuerung von Belichtungsreihen übernehmen sollte. Die Möglichkeiten waren seinerzeit begrenz, da die Kamera nur über den Fernauslöser-Eingang angesteuert werden konnte. Kurze Belichtungszeiten waren damit nicht genau zu bemessen und an die Steuerung von Blende, ISO usw. war gar nicht zu denken.

Mehrere Schubbser führten mich schließlich zum Kauf eines Raspberry Pi. Irgendwie unschlüssig zwischen Arduino und Raspberry Pi war ich im vergangenen Jahr auf der Maker Faire 2013 in Hannover. Dort habe ich bei Franzis eine Kamera gebaut und mit dem Eigenbau dann am Fotowettbewerb teilgenommen. Herausgekommen ist ein Buchpreis – insgesamt fünf Bücher rund um den Raspberry Pi. Ein erster Wink :)

Dennoch war mir die ganze Geschichte mit dem Linux (wenn auch vorgefertigt) noch nicht so ganz geheuer. Immer wenn man eine Sonderlocke dazu haben möchte, laden, maken usw.

Neulich bin ich dann bei Watterott über ein Touch Display gestolpert, das direkt für den Pi angepasst ist *und* mit einem fertig gebauten Image daher kommt. Sah interessant aus.

An anderer Stelle habe ich dann noch das gphoto Projekt entdeckt, mit dem sich scheinbar über USB fast alle Kameraparameter lesen und schreiben lassen sollen, und da war es dann um mich geschehen. Geordert habe ich einen Pi mit Netzwerkanschluss (Rev. B), Display und Gehäuse und eine extra Speicherkarte. Damit wird jetzt mal losgebastelt.